Nachhaltigkeit muss nicht unbequem sein

Unsere Gesellschaft hat sich im goldenen Rausch des Wirtschaftsfortschritts zu einer verschwenderischen Wegwerfmentalität entwickelt, für die kaum noch etwas von Wert ist. Es will zwar keiner mehr hören, aber die Dringlichkeit von nachhaltigem, umweltschonendem Wirtschaften hat nicht an Bedeutung verloren – im Gegenteil. Bedauerlicherweise gibt es jederzeit etwas, das wichtiger ist und einen raschen Aufschub legitimiert. Aktuell heißt dieses Alibi „Wirtschaftskrise“ und bewirkt, dass das unliebsame Nachhaltigkeitsthema wieder einmal zu anderen unbequemen Themen in die Ecke gestellt wird und an Beachtung verliert.

Es wird dringend ein erweiterter Horizont benötigt, der sich nicht mehr ausschließlich auf die eigene Existenz beschränkt anstatt der Illusion zu verfallen, Nachhaltigkeit habe keinen Platz in Zeiten der Krise. Der Startschuss zur Anpassung an nachhaltige Werte ist längst gefallen.

Wirtschaftskrise und Nachhaltigkeit liegen näher beieinander, als man denkt  

Wirtschaftskrise und Nachhaltigkeit scheinen sich also auf den ersten Blick konkurrierend gegenüber zu stehen. Wie der renommierte Journalist und Blogger Nafeez Ahmed in einem seiner Artikel eröffnet, offenbart sich auf den zweiten Blick aber vor Allem eines: die Chance von der Abkehr der egozentrischen Kapitalakkumulation unseres wirtschaftlichen Wertesystems. Ohne Zweifel ist eben dieses Wertesystem die Grundlage für die absurde Annahme, endloses Wirtschaftswachstum sei auf einem endlichen Planeten möglich, und damit vor allem auch für unser von Eigennutz geprägtes, nicht-nachhaltiges Handeln. Genau an diesem Punkt treffen sie zusammen, Krise und Nachhaltigkeit.

Die Zukunft der Wirtschaft liegt also weniger im vertikalen Wachstum des menschlichen Größenwahnsinns, sondern vielmehr in der Verlagerung auf etwas, dessen Einzug mit dem Internet und der globalen Vernetzung die Regeln neu definiert: horizontales Wachstum durch Ausweitung der Möglichkeiten, der Geschäftsmodelle, der Angebotskomplexität. Und natürlich des Kundenkontaktes. Denn nicht zuletzt entwickeln wir uns zu einer Gesellschaft, in der jeder Mensch eine Stimme und jede Stimme einen Wert hat, also zu einem System, das tatsächlich einen Wert beinhaltet, der die Macht hat, unsere Gesellschaft positiv zu formen. Die Lösung? Schlägt dabei sprichwörtlich Krisen- und Nachhaltigkeitsfliege mit einer Digitalisierungsklatsche.

Digitalisierung als Lösung von Krise und Nachhaltigkeitsmangel

Wo ein guter Anfang besteht, fehlt zuweilen noch das Verständnis dafür, dass Digitalisierung nicht nur vieles deutlich bequemer und billiger macht, sondern vor allem nachhaltiger. Was bereits früh mit digitalisierten Akten und Unternehmensprozessen begann, bedarf nun einer Weiterentwicklung auf Meta-Ebene. Digitalisierung bedeutet also nicht nur, alles auf einen Blick zu haben und sich um viele Dinge nicht mehr kümmern zu müssen. Auf der Meta-Ebene bedeutet dieses Umdenken nämlich vor Allem, Wirtschaft und Individualbedürfnisse, aus Unternehmensperspektive besonders von Seiten der Kunden, neu zu definieren. Wenn wir diese neue Ebene zulassen, birgt sie das enorme Potenzial, unsere Verschwendergesellschaft zu mehr Achtsamkeit zu erziehen. Sprich, in einer Gesellschaft, in der der Einzelne an Bedeutung gewinnt und während einer Krise, die nach Kosteneinsparungen verlangt, bildet in erster Linie digitaler Kundenkontakt den Zukunftsmotor für einen Umschwung zu mehr Nachhaltigkeit – in Wirtschaft und Umwelt.

Fazit: Auch wenn wir derzeit in vielen Dingen vom Wirtschaftseinbruch in die Knie gezwungen werden, sollten wir den Blick für die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, schärfen. Ein Tiefpunkt ist immer auch eine gute Ausgangslage für etwas Neues. Er ermöglicht, Veränderungen umzusetzen, die vorher nicht so recht mit den Rahmenbedingungen in eine Schublade passen wollten, in einem grundsätzlich veränderten Digitalisierungs-Kontext jedoch eine neue Perspektive gewinnen.