Wie die Euro-Krise zu meistern ist – über untergehende Politik-Dampfer und Digitalisierungsschwimmflügel

Vier große Weltwirtschaftskrisen hat es seit Menschengedenken gegeben und neben ihnen erschüttern immer wieder viele kleinere die globale Wirtschaft. Schon seit 2009 überrollt die Walze der wirtschaftlichen Stagnation Teile Europas und raubt hoch verschuldeten Euro-Staaten die Luft zum Atmen. Gründe gibt es viele, einer der beliebtesten ist, die Abschaffung der nationalen Währung mit der Vereinheitlichung im Euro sei nicht ausreichend Anpassungsmechanismen unterworfen worden. Andere werfen den Begriff der Staatsschuldenkrise in den Raum; die Frage, was Ursache und Folge ist, bleibt dabei allerdings ungeklärt.

Schuld sind alle – und keiner. Verzweifelt wird noch immer nach Lösungen gesucht, Griechenland ist an der eigenen Staatspleite zerschellt und versucht sich seitdem über Wasser zu halten. Die griechische Regierung indes paddelt weiterhin unbeholfen knapp an der Oberfläche des Schuldenozeans und versucht zu retten, was zu retten ist. So richtig den Eindruck, dass man weiß, was zu tun ist, vermittelt niemand. Das lässt vor allem die in Ungewissheit verweilen, die durch ihre maßgebliche Beteiligung an der Wirtschaft eines Landes am schwersten vom Untergang bedroht sind und daher rettende Schwimmflügel der Politik bitter nötig hätten: Unternehmen.

Die unbequeme Wahrheit der Euro-Krise

Eine der Branchen, die es besonders hart getroffen hat, ist die Medienwirtschaft mit ihren Zeitungen und Verlagshäusern. Nicht nur, dass der Zahn der Zeit an den konventionellen Druckerzeugnissen nagt wie Muscheln an einem Schiffsbug, auch sie werden von der wirtschaftlichen Missentwicklung nahezu verschlungen. Was an Papierkontingentierungen aus vergangenen Zeiten erinnert, sind heute Ausprägungen der Krise auf europäische Verlagshäuser. Auflagenschwund, Anpassungsdruck und Jobunsicherheiten prägen die Arbeitsweise von Redakteuren und Verlegern und fordern eine nüchterne Reaktion auf die gegenwärtigen Umstände.

Eine Studie der Oriella PR zu den Auswirkungen der Krise auf die Medienwirtschaft macht deutlich, wie sehr konventionelle Druckerzeugnisse von der Krise bedroht sind. Ihr zufolge glauben ein Drittel der in der Studie befragten Journalisten an eine Einstellung konventioneller Medienkanäle, fast 25 % geben an, der Online-Kanal sei inzwischen der reichweitenstärkste. Denn was macht ein Verlag, wenn die verkauften Auflagen zurückgehen und finanzielle Mittel nach Kosteneinsparungen schreien? Die Antwort mutet der Verwendung eines Allheilmittels an: Inhalte und Distribution digitalisieren. Einmal mehr zeigt sich, wie wirkungsvoll eine Kehrtwende im finanzschwachen Gewässer sein kann, um der vernichtenden Flut zu entkommen.

Eine weitere Branche, die sich dieser Flut entgegensieht, ist die Versicherungswirtschaft. Als die Europäische Zentralbank (EZB) entschied, Staatsanleihen und deren auferlegte Zinsen zugunsten der Verhinderung einer Kreditklemme zu limitieren, sahen sich besonders die Lebensversicherungen in einer Sackgasse. Diese investieren das Geld ihrer Kunden weitestgehend in Staatsanleihen – und dürfen, nachdem das Missverhältnis der daraus resultierenden Kostenverteilung deutlich wurde, nun mit einer Reform kämpfen, die ihnen und allen Versicherungsvermittlern den Sauerstoffhahn zudreht: das Lebensversicherungsreformgesetz. Mit dem ausgeworfenen Rettungsring versucht die Politik verzweifelt Gelder zusammenzuhalten und Rahmenbedingungen zugunsten der Versicherten anzupassen, jedoch erinnert dieser Rettungsring eher an eine auf der Wasseroberflächenspannung haftende Büroklammer – ein Tropfen Spülmittel genügt, um sie untergehen zu lassen.

Besonders Versicherungsmakler sind schwer gezeichnet, sie müssen sich für ein Maklersterben durch die von der Reform in die Schranken gewiesenen Provisionszahlungen rüsten. Geld muss her. Abhilfe schaffen eine neue Strategie, ein breit gefächertes Angebotsspektrum statt der Konzentration auf ein Kerngebiet und am besten auch gleich die dringende Anpassung der Kundenberatung. Denn will man Geld, so liegt die Antwort auf der Hand: Biete das an, was die Kunden, und am besten möglichst viele von ihnen, haben wollen.

Auch hier wurde also schnell klar, dass schnellstens eine Lösung zutage getragen werden musste, die den Ausmaßen und finanziellen Engpässen der Krise die Stirn bietet. Wie auch in der Medienbranche, ließ die Antwort auf die Frage der richtigen Strategie nicht lange auf sich warten. Die längst überfällige Digitalisierung meldet sich ein weiteres Mal zu Wort, verteilt rettende Schwimmflügel an Unternehmen und drückt ihnen maßregelnd auf, was schon in Kindertagen niemand hören wollte: Ich habe es euch doch allen gesagt.

Digitalisierung ist kein Ausflugsdampfer – und dennoch unerlässlich

Was bei Verlagen und Versicherungsmaklern funktioniert, müsste doch dann auch bei anderen, von der Wirtschaftskrise in die Knie gezwungenen Unternehmen funktionieren. Experten prophezeien bereits die nächste Krise, dem verzweifelten Umherdümpeln im Bermuda-Dreieck muss ein Ende gesetzt, die Scheu vor einem Umdenken beschwichtigt werden. Allerdings vermittelt der gegenwärtige, komatös-hypnotisch anmaßende politische Zustand nicht gerade den Eindruck besonderes richtungsweisender Stabilität. Unternehmen sollten sich daher dringend abnabeln anstatt dem trägen Politik-Dampfer verzweifelt hinterher zu blicken und ihre Zeit damit zu vergeuden, die Stagnation der Konfrontation vorzuziehen – denn überleben wird nur, wer zwischen Büroklammern und Schwimmflügeln zu unterscheiden weiß.