Wie eine Versicherungsreform eine ganze Branche aufmischt

Am 1. August 2014 wurde das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) verabschiedet. Mit ihm sollte sich viel für Versicherte in Deutschland ändern – Gelder besser verteilt, Strukturen angepasst, kurz, die Leistungsfähigkeiten der rund 88 Millionen Lebensversicherungspolicen in Deutschland maximiert werden.

Dass diese Änderungen zudem die gesamte Branche aufmischen und unternehmerische Strategien sowohl für Versicherungen als auch Versicherungsvermittler umkrempeln sollten, ahnten zu dem Zeitpunkt schon viele. Doch wie sieht es jetzt aus, ein Jahr nach in Kraft treten des Gesetzes?

Das LVRG – Segen für die Einen, Fluch für die Anderen 

Die Lebensversicherung ist laut Bundesministerium der Finanzen (BMF) eine der wichtigsten Spar- und Altersvorsorgeformen in Deutschland. Derzeit bestehen mehr Verträge in Deutschland, als das Land Einwohner hat, etwa 1,1 pro Kopf. Versicherer investieren das Geld Ihrer Kunden zumeist in sichere Anlageformen wie Staatsanleihen. In Zeiten eines niedrigen Kapitalmarktzinses wird es für Versicherungen jedoch immer schwerer das Geld gewinnbringend anzulegen. Das LVRG hat das Ziel, diesen minderen Rahmenbedingungen entgegenzuwirken, indem es sich auf vier Sparten der Lebensverssicherung konzentriert: Unternehmen, Aufsicht, Verbraucher/-innen und Vertrieb. Durch verbessertes Risikomanagement, eventuelle Ausschüttungssperren, eine verbesserte Aufsicht, höherer Vertriebstransparenz und faire Verteilung von Reserven unter den Verbrauchern sowie einer erhöhten Beteiligung der Versicherungsnehmer an Überschüssen soll das gesamte Leistungsspektrum revolutioniert werden.

Was also für Versicherte ein Segen ist, stellt Versicherungen und Vermittler vor Schwierigkeiten. Die veränderten Rahmenbedingungen erfordern mehr Transparenz und Einschränkungen bei der Kapitalausschüttung. Außerdem sollten Provisionszahlungen an Vermittler erschwert werden, wie auch cash.online bereits im März dieses Jahres prophezeite, und somit ein Maklersterben 2.0 nach sich ziehen. Zwar sind diese Minderungen bislang nicht wie erwartet eingetreten, wie eine Studie vom Mai 2015 beweist, doch es wird davor gewarnt, die ausgehende Erschütterung zu unterschätzen.

Ein Umdenken ist nötig – wie Versicherungen und Vermittler aus den Reformen schöpfen können

Dass die Änderungen in großem Stil die Unternehmensstrategien der Versicherungen in die Mangel nehmen, liegt auf der Hand. Eine spartenorientierte Denkweise und die Fixierung von Vermittlern auf Abschlussprovisionen stehen notwendigen Innovationen allerdings noch immer im Weg, ein breiteres Leistungsspektrum muss her. Dies kann jedoch nicht ohne einen an die veränderten Rahmenbedingungen angepassten Vertrieb funktionieren.

Einen Lösungsansatz stellt daher die Digitalisierung, nicht nur in der Kundenberatung, sondern auch im gesamten Abwicklungsprozess dar. Somit können zum einen ein breiteres Leistungsspektrum bewerkstelligt und zum anderen Kosten nachhaltig gesenkt werden.

Gerade in der Gewichtung auf eine stärkere Vorsorgekultur, wie sie cash.online in den Fokus stellt, können Chancen durch die ohnehin überfällige Digitalisierung gesehen werden. Wie bereits in unserem letzten Blogartikel erläutert, ist die Bereitschaft der Bevölkerung, sich online beraten zu lassen, erstaunlich groß und die  Tendenz steigt.